Haben Sie eine Minute?

Youtube wird in 1 Minute um 72 Stunden reicher an Content. Wie sieht dann wohl der weltweite Zufluss an Texten ins Netz aus? Wie viel „Wissen“ wird pro Minute neu ins Netz geschrieben? 100 Bibliotheken von Alexandria?

Der Berg des Wissens und Unwissens wächst jede Minute weiter in den Himmel. Was die Sache so magisch macht: Dieses Wissen ist leicht verfügbar. Sie bekommen auf jede Frage tausende Antworten. Und die gute Nachricht ist: Richtige sind auch dabei.

Nur einen Haken gibt es: Wer schreibt, wird von dem wachsenden Input-Chaos ausgebremst. Von diesen Milliarden an Dokumenten, E-Mails, Notizen, PDFS, Slides, Infographics. Constantin Seibt schreibt: „Das größte Problem für jeden Forschenden ist die gigantische Unübersichtlichkeit.“

Und das zweitgrößte Problem? Natürlich die Zeit, die es Sie kostet, zu finden, was Sie wirklich suchen.

"Der Arbeitsablauf zerflimmert zu einem Gewölk aus Zwschendurchs".

Schrieb Peter Glaser.

Neu: Das semantische Zeit- und Suchmanagement
in write2gether

Neulich hat Google 400 Millionen Dollar für ein unbekanntes englisches Unternehmen auf den Tisch geblättert, das „semantische Technologien“ anbietet.

Warum? Semantische Technologien lösen in den nächsten Jahren viele Anwendungsrevolutionen aus. Vor allem werden Suchfunktionen schlauer. Und genau eine solche intelligente Suchtechnologie bauen wir in write2gether ein.

Das ist dann fast so, als hätten Sie künftig einen Assistenten, der für Sie Bücher, Artikel und andere Literatur vorher gelesen hat und Ihnen dann bei Bedarf die exakt richtigen Lesetipps gibt. Ungefähr in diesem Sinn:

„Da Sie sich gerade mit dem Einschlafproblem bei LKW-Fahrern  beschäftigen, schauen Sie doch mal in ‚Einführung in die Verkehrssoziologie‘  auf den Seiten 77–81 nach, da steht etwas, was Sie gerade dringend interessieren könnte.“

Der Punkt ist: Sie müssen sich nicht mehr durch einen Riesenhaufen bloßer URL-Ergebnisse quälen, sondern Sie bekommen auf den Punkt für Sie relevante Textstellen zu dem Thema angezeigt, an dem Sie arbeiten. Das ist eines der Kernstücke, an dem wir arbeiten, und das ist logischerweise ein ziemlicher Hammer, wenn wir das so ins Laufen kriegen, wie wir uns das vorstellen.

Der Kern für die Semantik kommt von unserem Entwicklungspartner, dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Heißt: Das Suchmodul ist technisch hoch entwickelt und funktioniert ohne Holpern, wir adpatieren das für unsere Zwecke.

Was bedeutet das für Sie?

Die „gigantische Unübersichtlichkeit“ wird kleiner. write2gether ist das erste Schreibprogramm mit einem integrierten Wissensmanagement. Was bei Ihnen jetzt Begeisterung auslösen sollte. Denn …

Die Suche nach Informationen und Input geschieht 1.) viel präziser, 2.) viel bequemer und 3.) direkt in der Schreibanwendung. Sie starten Ihre Suchen künftig direkt aus Ihrem Text heraus. Und die Suche betrifft nicht nur Netzinhalte und frei zugängliche E-Books und elektronische Zeitschriften (Stichwort „Open Access“), sondern auch Ihre eigenen Dokumente (natürlich auch PDFs), Ihre Notizen, Ihre E-Mails, vielleicht auch Ihre Bücher auf einem angeschlossenen E-Reader. Sozusagen Ihr persönliches kleines “Darknet”.

Sie müssen nicht mehr aus dem Schreibprogramm raus, nur um etwas in Wikipedia nachzulesen. Ihr Text bleibt vielmehr die ganze Zeit vor Ihren Augen. Sie sehen die Suchergebenisse neben Ihrem Text, klicken darauf – lesen den aufgespürten Input direkt neben Ihrem Text, ergänzen einen Kommentar, machen eine Hervorhebung, legen eine Notiz an und so weiter. So sieht das aus …

w2g-Screenshot semantische Suche

Links schreiben Sie, rechts können Sie die Funktionen nutzen, die Sie gerade zu Ihrer Hilfe benötigen. Zum Beispiel die semantische Suche. Oder Sie googeln dort mal schnell. Ein Klick weiter wird dann aus einem Fundstück z.B. eine Notiz. Und falls Sie gerade nichts von alledem brauchen, haben Sie mit einem Klick die ganze Spielfläche als “normale” Schreibfläche vor sich (zum Vergrößern aufs Bild klicken).

Stellen Sie es sich so vor: Sie schreiben an einem Artikel, einem Blog-Beitrag, einer Hausarbeit, einem Buch oder was auch immer.

Dann merken Sie, Ihnen fehlt eine Information, eine Inspiration, eine Erkenntnis. Sie markieren ein Wort, einen Satz oder einen ganzen Abschnitt – und starten damit die semantische Suchaktion.

Und  sofort bekommen Sie ganz präzise, relevante Fundstellen.

Das Ergebnis: Der fragmentierte Schreibprozess, „zerflimmert zu einem Gewölk der Zwischendurchs“, wird wieder ganz. Sie arbeiten konzentriert und flüssig. Und gleichzeitig dämmt die Anwendung das lasterhafte Ablenkungspotenzial des Internets ein.

In den letzten Wochen …

Zu unseren Entwicklern gehört das „Binary Studio“ in Donezk, also in der Ukraine. Die Stadt wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet, hat heute über 1 Millionen Einwohner, wichtige technische Universitäten.

Florian hat fast täglich telefoniert. Für uns war und sind die Nachrichten aus der Ukraine die ganze Zeit nicht so weit weg gewesen. In Donezk blieb es allerdings während des Aufstands gegen Janukowitsch ziemlich ruhig (für Janukowitsch ist das Heimatgebiet) und so ging die Arbeit die ganze Zeit weiter und täglich weiter voran. Die Stabilität ist deutlich gewachsen, zum anderen haben wir in den letzten Wochen auch noch etliche Detailideen ergänzt (schön, wenn man merkt, wie die Sache immer runder wird).

Die Anwendung macht jetzt immer mehr Freude. Sie vereinfacht vieles und macht alles, was heute rund um einen Text passiert, übersichtlicher. Und das gilt auch, wenn Sie mit anderen  zusammenarbeiten (zum Thema Kollaboration in ein paar Tagen mehr).

Im Betatest haben Sie noch ein weiteres besonderes Vergnügen: Sie können auf das Produkt Einfluss nehmen. „Technisch alles kein Problem“, sagt Florian immer, wenn sich noch eine neue Idee meldet. Vieleicht haben Sie also auch noch Wünsche, was Sie gerne haben möchten? Die Betaphase ist jedenfalls nicht nur zum Testen da, sondern auch zum Verbessern. Eine Feedbackphase und Ideenphase …

Mit der semantischen Suche können wir noch einiges anstellen, was bislang noch utopisch klingt. Mein ganz persönlicher Traum wäre die „stille Community“. Was ich damit meine, erzähle ich auch in ein paar Tagen.

In den nächsten Wochen …

Das größte Hindernis auf dem Weg zu den Utopien ist bekanntlich … die Finanzierungsfrage. Ganz allein kriegen wir es nicht hin. Wir sind jetzt an dem Punkt, wo Hilfe von außen nötig ist. Wir sind im Kontakt mit dem High-Tech Gründerfonds (HTGF). Außerdem dürfen wir uns am 22. März auf dem Forum Kiedrich präsentieren. Wenn beides nicht klappt?

Wir sind viel zu weit vorangekommen, um umzudrehen …

Zudem sind in den letzten Wochen neue UnterstützerInnen zum Team dazugekommen, die uns mit verschiedenen Qualifikationen helfen, wenn wir demnächst auf die Startbahn rollen. Und im Netz ist sowieso niemand ganz allein.

Wann startet Beta?

„Im März“ hatten wir uns vorgenommen. Neueste Hochrechnungen lauten „Ende März“. Auf den Tag genau planen kann man das nicht.

Das Planen und Coden einer umfangreichen Applikation ist ein seltsam lebendiger Prozess. Ein bisschen wie Schreiben. Sie wissen genau, was Sie sagen wollen. Sie kennen Ihr Thema. Sie kennen ungefähr den angetrebten Gesamtumfang. Und trotzdem werden Sie immer wieder etwas hinzufügen, verbessern, wegnehmen, überschreiben … vereinfachen.

Coden ist eben auch eine Kunst.

_________________

Zum Beta-Test eintragen dauert weniger als 1 Minute, nämlich nur circa 2,8 Sekunden.

7 Responses

  1. Vielleicht bin ich ja zu blöd, um es zu verstehen. Oder zu ungeduldig, um abends noch so viel Content sorgfältig zu lesen. Aber wenn du es versprichst, Fritz, dann kannes ja so blöd nicht sein …

    • Fritz Iversen sagt:

      Peter, du kannst das auch verstehen … Mir flossen fast die Tränen vor Rührung, als ich das erste Mal direkt neben dem Text, an dem ich schreibe, im Netz recherchieren konnte. Und nur stell dir vor, du kriegst da auch noch Ergebnisse von ganz anderer Qualität als den üblichen SEO-optimierten Content-Junk? Oder die E-Mails, die im Laufe eines Projekts hereinkommen, hast du mit 1 Klick direkt im Blick. Etc. Just imagine … Ich kann den Endausbau kaum erwarten. Der Rest ist dann “User Eexperience”. Und wir können dann mal an 1 Wochenende kollaborativ ein ganzes Buch schreiben, machste mit?

  2. Markus Bergen sagt:

    Sehr, sehr interessant für mich ;-)

  3. Bin auch sehr gespannt und werde den Link an Autorenkolleginnen weitergeben. Wenn es tatsächlich funktioniert wie beschrieben, muss das ja zum Beispiel Autorinnen von historischen Romanen wie ein Geschenk des HImmels vorkommen.

  4. “Nur einen Haken gibt es: Wer schreibt, wird von dem wachsenden Input-Chaos ausgebremst.”

    Ich habe diesen Satz witzigerweise positiv gelesen, d.h. wer schreibt, nimmt sich aus dem Input-Strom heraus und hat Zeit zum Nachdenken. Wer seine Gedanken in Schriftform bringt, muss sich, zumindest für eine Weile, aktiv abkapseln vom äußeren Informationsstrom.

    Meinen Google+ Blog habe ich noch nicht sehr lange, aber mein Eindruck ist, wir alle sollten dringend weniger veröffentlichen und die Qualität der Texte erhöhen. Das Netz wird sonst zur Redundanz der Redundanz der Redundanz…

  5. Alfred Fuhr sagt:

    Semantische Suchmaschinentechnologie find ich gut. Wir haben VitosBee. Und nutzen die Technolgie für die Elektromobilität: http://www.dasfuhrwerk.net/bienenflei%C3%9Fig-kunden-und-markt-in-der-new-mobility-mit-ip-greenmobility-und-vitosbee-im-rechner-zusammen-bringen/

    • Fritz Iversen sagt:

      Ganke für den Hinweis. Vielleicht kann man sich einmal austauschen. Semantik ist ein zentrales Thema für viele App-Entwicklungen in den nächsten Jahren. Auch Google wird zunehmend “semantischer”, zumindest immer interssierter an strukturierten Daten, die es dann direkt in den Ergebnissen darstellen kann.

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